Kritik: CON AIR [1997]


„Alles eine Frage der Definition. Wenn ich dir nun sage, krank ist, 50 Jahre lang 50 Stunden in einem Büro zu hocken und zum Schluss den Arschtritt zu kriegen, um dann in irgendeinem Rentnerdorf zu landen, in der Hoffnung, dass du stirbst, bevor du nicht mehr rechtzeitig auf’s Klo kommst?“

Cameron Poe landet wegen Totschlags im Gefängnis, als er sich gegen drei pöbelnde Betrunkene wehrt und einen von ihnen umbringt. Acht Jahre später soll er auf Bewährung entlassen werden – doch das Flugzeug, welches für den Gefangenentransport verwendet wird, wird von eben diesen Gefangenen unter der Führung von Cyrus, dem „Virus“, gekapert…


Der Film erhielt zwei Oscar-Nominierungen […] sowie die Goldene Himbeere in einer Sonderkategorie, für die bisher nur ein einziges Mal überhaupt Kandidaten vorgeschlagen wurden: „Rücksichtsloseste Missachtung von Menschenleben und öffentlichem Eigentum“. Den Preis erhielt der Film für die Bruchlandungsszene in Las Vegas. (Wikipedia)

Es ist ja nun doch schon einige Zeit her, wo ich „Con Air“ das letzte Mal gesehen habe. Das war auch noch auf Video-Kassette (für die jüngeren Leser: Bitte mal hier schauen) und die letzten 15 min. fehlten. Naja. Die Erinnerung lässt einen zusätzlich auch noch manche Dinge besser erscheinen, als sie tatsächlich waren, und im Alter ist man ja sowieso nicht mehr für alles empfänglich. Aber was mir die Nostalgie bei „Con Air“ für einen Streich gespielt hat, ist schon nicht mehr feierlich.

Natürlich sollte man in einem reinen Action-Popcorn-Kino nicht all zu viel Logik, Tiefgang oder differenzierte Charaktere suchen. Doch was einem hier aufgetischt wird, grenzt schon an Zuschauerbeleidigung. Die Gefangenen bestehen nur aus Stereotypen – entweder sie sind von Grund auf Böse (und segnen selbstverständlich auch konsequent das Zeitliche), oder sie dienen lediglich der Zuschauerbelustigung und dürfen somit auch etwas länger bleiben. Kritische Züge nimmt dies bei Steve Buscemi an, der den Psychopathen zwar souverän spielt, aus dessen Rolle aber viel wenig gemacht wird, ja, man hat das Gefühlt, sie wird verharmlost, nur damit dieser am Ende noch einen gewollt lustigen Abgang erhält, der aber einen faden Beigeschmack erhält. Schön auch: Wenn die Gefangenen zu Beginn vorgestellt werden, kann man sich schon an der Kleidung denken, wer denn nu wichtig und böse sein wird (Orange), und wer eben nicht so böse, unwichtig, oder gut (blau). Poe ist selbstverständlich das personifizierte Gute. Ein ehemaliger Army-Ranger, der moralisch gefestigt ist, nur nach Hause zu seiner geliebten Frau und seiner Tochter will und fü Freunde sein Leben riskiert. Storytechnisch wird hier also nicht mit Netz und doppeltem Boden gearbeitet, sondern auf unterstem Niveau.

Doch im Endeffekt – ist das alles dann doch egal. „Con Air“ will lediglich das vornehmlich männliche Publikum unterhalten und ist letztendlich natürlich nur ein, wie schon eingangs erwähnt, Popcorn tauglicher Action-Blockbuster. Hier wird sich geprügelt, beschossen, es gibt Explosionen und eine Menge Pathos. Dass das alles vielleicht alles etwas zu glatt und geleckt über die Bühne geht, stört erst auf dem zweiten Blick, und das man hier wirklich besseres gewohnt war und seit damals auch ist, ist dann auch egal, denn diese 111 min (Kinofassung) kriegt man auch so rum, ohne gelangweilt zu werden.

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9 Kommentare

  1. C.H. · Februar 17, 2009

    Ja, sowieso. Wirklich stören tut nur das kitischige Ende. Aber bis dahin lebt der Film von seinem überdurchschnittlichen Cast. Cage, Buscemie und vor allem Malkovich als „Cyrus the Virus“ gehen ordentlich ab. Ich sehe den Film immer wieder gerne. Ist einer der Actioner der einen ziemlichen Nostalgie-Bonus bei mit hat… 😀

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  2. bullion · Februar 18, 2009

    Dito. Auch bei mir ein typischer 90er Jahre-Nostalgieactioner. Sehe ich auch immer wieder gerne.

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  3. sunrisedreamer · Februar 18, 2009

    Actionkino mit Popcornflair, aber mehr als explosionen und blaue Augen gibts im Film nichts. Nett, aber für ein zweites mal Anschauen reichte es bei mir nicht 🙂

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  4. khitos · Februar 18, 2009

    Ich hab immer weggezapped als das im Fernsehen lief, trotz Buscemie ^^
    Hab ihn nur einmal gesehen und das reicht aber auch wirklich…mit Nostalgie ist bei mir nicht so.

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  5. Sany · Februar 18, 2009

    ich mag nicolas cage, und entweder habe ich diesen film gesehn oder con train .. genau weis ich das aber nimmer ist schon 10 jahre her ….

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  6. Xander · Februar 18, 2009

    Musste jetzt erst mal googeln – es gibt tatsächlich einen Film namens „Con Train“! Dachte du hättest dich vertippt…

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  7. Pingback: Con Air (1997) « isinesunshine
  8. Wortman · Februar 18, 2009

    Einmal geguckt, für nett befunden und dann abgelegt… obwohl ich cage eigentlich auch mag 😉

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  9. Pingback: Media Monday #92 | Xanders Blog - Filme.TV.Sowas.

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