Kritik: RUNNING SCARED [2006]




„Sag meinem kleinen Freund ‚Guten Tag‘!“
– „Ey, das ist ja wahnsinnig originell. Was bist du, ’ne Cartoonfigur?“

Joeys Gang wird von Polizisten überrascht – die aber recht schnell erledigt werden. Er hat nun die Aufgabe, die Mordwaffe zu entsorgen. Dies tut er als Zwischenlösung bei sich im Keller, nichtsahnend, dabei von seinem Sohn und dessen Freund beobachtet zu werden. Dieser nimmt die Waffe an sich – um Rache an seinem Vater zu nehmen. Daraufhin verschwindet er mit dem Revolver, und Joey muss ihn sich wieder holen – doch er ist nicht alleine dahinter her…


Wenn Quentin Tarantino sagt „This is why they call them Motion Pictures“ (was auch immer das genau heißen mag), klingt das ja erst mal cool. Vor allem, da es ja völlig egal ist, was Herr Tarantino da gesagt hat (sonst hätte man das ja auch eben übersetzen können), denn Hauptsache sein Name kann mit diesem Film in Verbindung gebracht werden. Da könnte er genauso gut gesagt haben „This isn’t as good as they want you to believe“ – von fragwürdiger Grammatik einmal abgesehen, sollen potenzielle Zuschauer ja nur denken: „Na wenn das Tarantino sagt, muss der Film geil sein!“. Das Tarantino allerdings auch „Hostel“ beworben hat, wird da ja gerne vergessen.

„Running Scared“ ist vor allem nur eins: Anstrengend. War meine Hauptbefürchtung zu erst, Paul Walker würde den Film kaputt machen, kenne ich ihn doch hauptsächlich aus der intellektuellen Charakterstudie „The Fast and The Furious“, so liegt es dann doch nicht an ihm. Der Film will mit aller Gewalt cool sein. Jede Szene, jedes Bild wurde stylish aufgepeppt und um nicht zu langweilen, beließ man es dann auch nicht bei 1-2 wiederkehrenden Effekten, die als Stilmittel ja grade noch durchgehen können. Nein, hier wurde alles hineingepackt, was sich irgendwie verwerten ließ. Einen Hintergrund hat das nicht.

Als ich damals, als es Richtung Abschluss ging, einen Film drehen musste (Trailer wie bekannt sein dürfte hier), baute ich auch einen schönen Effekt ein. Der Killer wurde mit einem bläulichen Schatten unterlegt, der die bedrohliche Stimmung intensivieren sollte, was in meinen Augen auch ganz gut funktionierte. Als ich dann gefragt wurde, warum ich dies denn getan hätte, sagte ich scherzhaft: „Weil ich es konnte“. Zack – falsche Antwort. Was würde Wayne Kramer sagen? „Weil ich es konnte!“. Und das wäre vermutlich kein Scherz gewesen. Denn genau so wirkt es.

Übertriebene Effekthascherei ist das eine, eine völlig konfuse und unglaubwürdige Story das andere. Die Welt ist schlecht, ja, und die Menschen böse, auch das, und nach diesem Film würde man ja am liebsten sterben gehen, wäre da nicht dieses Happy End, welches wirkt, als wurde es mal eben zusammengeschustert weil am Ende nicht mehr allzu viel Film übrig war, um das alles schlüssig zu erklären.

Sicherlich harte Worte, bei denen man sich fragt, was denn an diesem Film noch gut sein soll? Meiner Meinung nach ist es doch tatsächlich der Hauptdarsteller Paul Walker, der seiner Figur die notwendige Glaubwürdigkeit gibt und das Beste aus dem herausholt, was da von ihm verlangt wird. Sicher, das Drehbuch ist scheiße. Aber dank der (allerdings, und das darf man nicht vergessen, nicht dank ALLER) Darsteller kriegt der Film noch die Kurve.

Ein Actionfilm muss nicht immer Sinn machen, darf seine Effekte auch mal als Selbstzweck inszenieren und lediglich auf seine Schauwerte setzen. Dies tut „Runnin Scared“ auch bis zum Erbrechen, begeht aber meiner Meinung nach dabei den Fehler, sich selber zu ernst zu nehmen. Nicht alles ist als reines Zitat gedacht, zu vieles möchte gerne Kult und aber auch und vor allem Anspruch sein. Daher – 5/10.

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5 Kommentare

  1. bullion · Januar 27, 2009

    Ich fand den Film auch nicht sonderlich berauschend, doch insgesamt recht unterhaltsam und in seiner düsteren Märchenstimmung ganz interessant – wenn da nicht das völlig aufgesetzt wirkende Happy ending gewesen wäre.

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  2. Xander · Januar 27, 2009

    Ja, das war wirklich unnötig. Und diese völlig überraschende Wendung, wo er dann zugibt, was er in Wirklichkeit ist – na ich weiß ja nicht.

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