„THE LAST HORROR MOVIE cut [2003]“ oder: Nie mehr geschnittene Filme!(?)


Damals, als ich noch jung und unerfahren war, kaufte ich mir einmal die „ab 16“-Version vom Original „Texas Chainsaw Massacre“. Ich dachte mir: So schlimm kanns ja nicht sein, gut, dann fehlen halt die ultrabrutalen Szenen, aber das kann ja die Spannung nicht beeinträchtigen. Die Erfahrung hat dann gezeigt: Doch, kann es. Der Film war so zerstückelt und schlecht geschnitten, dass noch nicht einmal eine fortlaufende Geschichte erzählt wurde. So wurde die DVD letztendlich völlig unbrauchbar, der Film ging gar nicht. Mittlerweile habe ich eine ungekürzte Fassung gesehen und alles ist wieder gut.

Heutzutage geht man, was Kürzungen angeht, ja nicht mehr sooo rigoros vor („Hulk“ ist eine andere Geschichte). Was heutzutage ab 16 ist, wäre damals vielleicht so nicht durchgegangen. Wenn man sich also einen Film „ohne Jugendfreigabe“ kauft, von dem man zwar weiß, dass er geschnitten ist, geht man ja nicht gleich vom Schlimmsten aus. Im Falle von „The Last Horror Movie“ sollte man das aber und ich will dann gleich an dieser Stelle schon mal vom Kauf dieser Version abraten.


An und für sich gibt es ja Filme, die Gewalt nur zeigen, um zu schocken. Es geht diesen Filmen nicht in erster Linie darum, eine spannende Geschichte zu erzählen, interessante Figuren in den Mittelpunkt zu stellen oder gut zu unterhalten. Zu diesen Filmen zählen auch die neumodischen so genannten „Torture-Porn“-Filme. Hier geht es nur um die Gewalt an sich, als Selbstzweck. Ein ganz übler Vertreter war „Hostel“, der außer den Folterszenen nichts zu bieten hatte und die erste Hälfte des Films damit völlig für die Tonne war. „Saw“ hingegen, oberflächlich die gleiche Richtung, bietet, zumindest Teil 1, aber auch noch eine spannende Geschichte vor der Frage: „Wie weit würdest Du gehen?“. Die Druckmittel sind zwar doch recht extrem, die Frage bleibt. So einen Film letztendlich (richtig) zu kürzen, ist schwer, besteht doch die Gefahr, damit den ganzen Film und seine Aussage kaputt zu machen. Filme wie „Scream“ hingegen wollen nur Spaß machen. Wenn da eine besonders brutale Mordszene geschnitten wird, ändert das im Grunde nicht viel an dem Film. Die psychologische Belastung des Zuschauers hält sich hier meiner Meinung nach doch stark in Grenzen.

Sehr weit ausgeholt für das, worauf ich hinaus will: Bei keinem anderen Film wie bei „The Last Horror Movie“ ist es mir bisher aufgefallen, wie die dargestellte Gewalt und die zu erzählende Geschichte zusammen gehören und durch den deutschen Schnitt völlig in seiner Aussage zerstört wurde. Wir reden hier über einen Film, der im Original nur 79 min geht, in der deutschen Fassung aber lediglich 65 min läuft. Aber jetzt, damit auch jeder weiß, worum es geht, auch mal zum Inhalt.

Max Parry ist hauptberuflich Hochzeitsfotograf und fotografiert und filmt den meist schönsten Tag im Leben zweier Menschen. Daneben hat er jedoch noch eine Art „Nebenbeschäftigung“: Er ermordet brutal fremde Leute und raubt sie aus. Dabei lässt er sich von einem Kameramann begleiten: Denn Max hat viel zu erzählen – und zu zeigen…

Dabei geht es ihm jedoch hauptsächlich um eines: Was geht in den Menschen vor, die er vor hat zu töten? Was geht in den Zuschauern vor? Und vor allem, was treibt diese dazu an, trotz der Brutalität weiter hin zu sehen? Und so philosophiert er vor der Kamera, befragt seine Opfer – und den Zuschauer – und lässt sogar seinen Kameramann versuchen, einen Mord zu begehen. Es ist die Neugierde, sein Verständsnisproblem was ihn antreibt – mit dem Morden an sich hat er schließlich kein Problem.

„Wenn Sie einem Menschen in Afrika das Leben retten könnten, wenn Sie Ihren Fernseher verkaufen würden – würden Sie es tun?“

fragt er, und unbewusst fragt sich der Zuschauer dasselbe. Warum also sollte er mit dem Morden aufhören? Es sind viele Szenen wie diese, die den Film nachwirken lassen, und es sind genau diese Szenen, die der geschnittenen Version fehlen. Da werden Monologe und Dialoge herausgeschnitten, die teilweise nur 8 sec gehen. Die Szene, in der sein Kameramann einen Mord begehen soll, dies aber nicht über Herz bringt, fehlt komplett.

„Warum konntest du das nicht tun, kannst dies aber alles bedenkenlos filmen?
– „Es fühlte sich so… echt an!“

Doch welche Aussage hat so ein Film dann noch, wenn die relevanten und damit aussagekräftigen Szenen fehlen? Übrig bleibt ein x-beliebiger Film über einen vor sich hin labernden Serienkiller, von dem man nur aus Andeutungen weiß, dass er überhaupt einer ist. Aus einem kritischen Film ist ein unterdurchschnittlicher Film ohne Aussage geworden, mit einer Laufzeit von knapp über einer Stunde. Ob man sich diesen jetzt antut oder nicht, das spielt keine Rolle. Es ändert nichts über die eigenen Gedanken zum Thema Horrorfilme und Gewalt in Filmen – denn die macht sich der Film ja selber auch nicht mehr.

Positiv anzumerken ist lediglich, dass sich das Booklet der DVD seitenweise ausschließlich mit diesem Thema und der FSK befasst. Man erhält den Eindruck, der Film wurde aus Protest in dieser Fassung auf DVD gebrannt, um einem zu zeigen, wie weit Kürzungen gehen können – und das diese nicht immer den gewünschten Effekt haben. Den einzigen Effekt, den ich bei mir beobachten konnte: In Zukunft überlege ich mir ganz genau, welche Schnittfassung ich mir antue. Man könnte ja was verpassen.

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4 Kommentare

  1. bullion · Januar 22, 2009

    Auch wenn du es bestimmt schon weißt empfehle ich bei so etwas stehts den Blick zu Schnittberichte.com!

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  2. Wortman · Januar 22, 2009

    manche filme sind so zerschnibbelt… da mag man gar nicht mehr reingucken. brauch da z.b. nur an starship troopers zu denken…

    bei mir gibt es nur uncut, DC usw. zumindest bei den filmen, die es ab 18 gibt

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  3. Xander · Januar 22, 2009

    @bullion: War ein Spontan-Kauf ohne große Recherche – und sowas rächt sich natürlich.

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  4. Pingback: Kritik: THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) « at the movies - filme. tv. sowas.

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