Kritik: MAN BITES DOG / MANN BEISST HUND [1992]


„Cinema! Cinema! I’ll go because I am cinema!“


(YouTube)


In „Man Bites Dog“ geht es um ein Kamerateam, welches den Serienkiller Ben bei seiner „Arbeit“ begleitet. Nach und nach jedoch freunden sie sich mit ihm an, verlieren die Distanz und werden selber zu Mittätern. Was „Behind the Mask“ also nur andeutete und sich dann letztendlich doch nicht traute, das hat „Mann beißt Hund“ schon 1992 gezeigt: Wohin der ganze Wahnsinn der Reality-Shows führen kann, wenn man nur genug abgestumpft ist.

Bei so einem Film über die technische Ausführung zu diskutieren, ist müßig. Hier geht es nicht um den perfekten Sound (ganz im Gegenteil muss sogar der Tonmann als erstes dran glauben), perfekte Effekte oder eine ruhige Kameraführung. Fast Kommentarlos, ohne Bewertung der Taten Bens begleitet ihn die Kamera: Bei seinen Morden, den Besuchen zu Hause, seiner Geburtstagsparty. Dabei philosophiert er über Polik, Gott und die Welt, als sei sein Geschäft das normalste von der Welt. Doch das dieses nicht unbedingt normal ist, bemerkt der Zuschauer gleich in der ersten Szene, in der Ben mittels eines Mordes in Szene gesetzt wird. Was dann noch folgt, ist wahrlich nichts für schwache Nerven, denn „Man bites Dog“ kennt weder bei der Wahl seiner Opfer, noch seiner Methoden irgendwelche Grenzen. Und wenn das Kamerateam diese zu Beginn des Filmes noch hatte, lockert es die Grenzen im Laufe des Films immer weiter auf, bis zum unvermeidbaren Ende.

Dabei geht es den Filmemachern scheinbar nicht nur darum, den Bodycount in die Höhe zu treiben. Vielmehr funktioniert „Mann beißt Hund“ als Mediensatire, ist lustig, wo es das nicht sein dürfte und irgendwie realistischer, als einem lieb ist. Was ist es denn, was im Fernsehen den Massen vorgesetzt wird? Live gefilmte Verfolgungsjagden, Autopsieberichte mit möglichst vielen Nahaufnahmen oder gar „Dokumentationen“, in denen Kamerateams Kopfgeldjäger begleiten. Wie weit sind wir noch entfernt von den ersten Livebildern eines Mörders? Und – wollen wir das wirklich?

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5 Kommentare

  1. bullion · Januar 13, 2009

    Wollte ich auch schon ewig mal sehen. Gibt es da eine brauchbare – und günstige – DVD von?

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  2. Xander · Januar 13, 2009

    Nicht in Deutschland soweit ich weiß.
    Ich hab mir die belgische Version mit englischen Untertiteln geholt – war gebraucht relativ günstig.

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  3. Gretlies Spiekermann · März 17, 2010

    Das habe ich so noch gar nicht gesehen. Der Blickwinkel ist sicherlich interessant. Da haben wir neulich noch auf der Arbeit drüber gesprochen.

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