Kritik: BEHIND THE MASK- THE RISE OF LESLIE VERNON [2005]


„Jeder meint wir wachen eines Morgens auf und sind von einem Mädchen besessen. Stellen ihm nach und bringen jeden um der uns in die Quere kommt.“
– „Ja, das scheint bei Ihresgleichen oft so abzulaufen!“

Jason Voorhees, Michael Myers, Freddy Krueger – das sind die Helden von Leslie Vernon. In seiner Welt sind ihre Taten real und sie sind keine Filmfiguren. Er möchte in ihre Fußstapfen treten und erlaubt einem Fernsehteam, ihn bei den Vorbereitungen hierzu zu begleiten…


1992 erschien der Film „Mann beißt Hund„. In diesem lässt sich der Serienkiller Ben von einem Reporterteam bei seinen Morden begleiten. Diese werden im Laufe des Films zu Mittätern, in dem sie Ben bei seiner Arbeit unterstützen. Der Film ist dabei exrem brutal und voller schwarzen Humor, ohne dabei lächerlich zu sein. Im Gegenteil: Durch die Realitätsnähe wirkt er umso erschreckender und erinnert teilweise an so manche Reportage im heutigen Fernsehprogramm. „Behind The Mask“ erinnert teilweise an diesen Film, ohne dabei je diese Brutalität zu zelebrieren.

Ganz im Gegenteil, ist „Behind The Mask“ zu Beginn sogar sehr witzig. Man muss sich das einfach mal vorstellen: Anstatt, wie in einem typischen Slasher, die Geschichte aus der Perspektive der Opfer zu erleben, sieht man sie hier aus Sicht des Killers. Mehr noch, er erklärt uns detailliert sein Vorgehen, seine Vorbereitungen. Das er so nebenbei noch das Genre des Slashers analysiert und die typischen Klischees und Mechanismen demontiert, ist sehr spaßig. So erklärt uns Leslie beispielsweise, wie anstrengend es doch ist, dabei Schritt zu halten, wenn die Opfer schreiend weglaufen – man aber selber nur bedrohlich langsam gehen darf. Das erfordert eine Menge Kondition und Training, erklärt er uns. So geht das die ganze Zeit, alle genretypischen Bestandteile der Slasher werden hier zitiert und müssen dementsprechend von Leslie beachtet werden – und der Zuschauer hat seinen Spaß. A propos zitiert: Das in der Welt dieses Films die uns bekannten Slasher keine Filme sind, sondern tatsächliche Ereignisse, ist eine geniale Idee. So erklärt Leslie, was er in den vergangenen Jahren gemacht hat (allerdings nur in den Deleted Scenes auf der DVD): „Ich war eine Zeit in Texas, hab einem Freund… geholfen. Er wollte sich neu erfinden.“. Und wenn dann noch Robert England als Dr. Loomis-Verschnitt auftaucht, hat man seine zehn Punkte eigentlich schon vergeben. Eigentlich.

Denn leider vergibt der Film sein gesamtes Potenzial im letzten Drittel, wenn die „Kameras aus“ sind. Der komplette Mockumentary-Stil ist vorbei, die Genrezitate, der Spaß – denn hier wird der Film leider zu dem, was er die ganze Zeit im Vorfeld zitiert hat: Ein typischer Slasher. Das ist wirklich verdammt schade – warum hat man dies nicht bis zum Ende durchgezogen? Um noch einmal auf das Beispiel „Man Bites Dog“ zurück zu kommen: Hier hat es doch auch funkioniert, einen ähnlichen Ablauf hätte ich diesem Film auch gewünscht. Doch so hat man leider am Ende das Gefühl, zwei Filme gesehen zu haben. Hätte „Behind The Mask“ nicht diese starke Einleitung, bliebe nur der Slasherteil übrig, der, für sich betrachtet, ebenso vorhersehbar ist wie manch Genrekollegen. Doch „dank“ Leslies“ Erklärungen im Vorfeld fällt dies noch mehr ins Gewicht und wird so spannungsarm. Hier fehlte mir tatsächlich die große Wendung, in der der Film sagt: „Hier, damit haste nicht gerechnet oder?“. Würde der Film nicht die zuvor aufgestellten Regeln selber so sklavisch einhalten, wäre das ein echter Gewinn gewesen.

„Behind The Mask“, dass muss man wohl dazu sagen, ist am meisten Leuten ans Herz zu legen, die dem Slasher-Film nicht abgeneigt sind. Man sollte schon den einen oder anderen Klassiker kennen, um mit diesem Film richtig Spaß zu haben. Alle anderen werden das zwar auch haben, aber mit Sicherheit nicht jede Anspielung verstehen.

Dieser Film könnte Euch gefallen, wenn ihr folgendes mögt:
„Scream“, „All The Boys Love Mandy Lane„, „Halloween“

Advertisements

5 Kommentare

  1. bullion · Januar 5, 2009

    Na wunderbar, hat dir also tatsächlich gefallen! 🙂

    Gefällt mir

  2. Xander · Januar 5, 2009

    Jepp, hat er wohl!

    Gefällt mir

  3. Pingback: Kritik: MAN BITES DOG / MANN BEISST HUND « at the movies - filme. tv. sowas.
  4. Pingback: Kritik: 28 WEEKS LATER [2007] « at the movies – filme. tv. sowas.
  5. Pingback: Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon (2006) | Film-Blogosphäre

Sag was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s