Kritik: ADAMS ÄPFEL [2006]


„Das ist aber ein schöner Mann. Dein Vater?“
– „Das ist Hitler!“

Neonazi Adam wird aus dem Gefängnis entlassen und muss als Bewährungsauflage drei Monate bei dem Pfarrer Ivan verbringen. Dort leben außer ihm auch noch die ehemaligen Verbrecher Gunnar und Khalid, die angeblich auch schon von Ivan bekehrt wurden. Adam merkt schnell, dass etwas nicht stimmt: Ivan verschließt sich vor allem, was nicht in sein Weltbild passt und sieht so alles wesentlich positiver, als es ist und Gunnar und Khalid sind bei weitem nicht so bekehrt, wie Ivan gerne hätte. Also fasst Adam den Plan, den weltfremden Pastor von seinem Glauben abzubringen…


Bei diesem Film weiß man wirklich nicht, ob man lachen oder weinen soll. Allein die Ausgangsposition – Neonazi soll zur Rehabilitierung einen Apfelkuchen backen – ist ziemlich grotesk, und so geht es eigentlich weiter. Dabei ist der Film nicht durchgängig lustig, sondern bietet auch ziemlich ernste, ja sogar ziemlich brutale Szenen. Beispiel: Adam, zu Beginn noch als tumber Nazi dargestellt, führte mal wieder eine sinnlose, aber für den Zuschauer recht lustige Diskussion mit Ivan, kommt aber keinen Schritt weiter. Diese Nicht-Einsicht von Ivan kann er aber nicht begreifen und schlägt ihn in der Folge brutal zusammen, tritt nach wenn noch am Boden liegt. Dies ist dann wiederum nicht mehr witzig, aber für die Charakterentwicklung aller Beteiligten sehr wichtig. „Adams Äpfel“ benötigt dafür keine rührenden Szenen, in denen die Personen zur Einsicht kommen. Hier reichen die Situationen, in die sie geschickt werden.

Nach und nach erfährt der Zuschauer, genau wie Adam, was es mit Ivan auf sich hat – Mutter bei der Geburt gestorben, vom Vater missbraucht, die Frau begann Selbstmord, der eigene Sohn spastisch gelähmt und er selbst hat einen Tumor. Und so erklärt sich dann auch sein Verhalten. Sollte er jemals mit seinem eigenen Schicksal konfrontiert werden, würde er zusammen brechen – und genau das setzt sich Adam als Ziel. Dabei ist es die Überraschung des Films, das nicht nur Adam sich wandelt (womit man ja eigentlich seit Beginn des Films rechnet), sondern auch alle anderen Charaktere eine erstaunliche Wandlung durchmachen.

„Adams Äpfel“ ist eine Tragik-Komödie, bei der sich urkomische und ernste Situationen konsequent abwechseln und der Zuschauer so nie weiß, was als nächstes auf ihn zukommt. Eine Empfehlung abseits von Hollywood und einen Blick wert ist er so auf jeden Fall.

Dieser Film könnte Euch gefallen, wenn Ihr folgendes mögt:
„In China essen sie Hunde“, „Old Men In New Cars“, „Jalla Jalla!“

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6 Kommentare

  1. bullion · Dezember 20, 2008

    Den Film wollte ich mir schon immer mal holen, konnte mich aber nie dazu durchringen. Vielleicht mal bei einer TV-Ausstrahlung. Ach, es gibt so viele Filme da draußen!

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  2. Xander · Dezember 21, 2008

    … und es werden täglich mehr!

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  3. C.H. · Dezember 21, 2008

    „Adams Äpfel“ ist ein großartiger Film. Die schwarzen dänischen Komödien sind eben oftmals herrlich grotesk und dergleichen auch wunderbar politisch unkorrekt. (z.B. auch „In China essen sie Hunde“). Dabei ist „Adams Äpfel“ nur auf den ersten Blick eine reine Komödie, mir drängte sich beim Sehen immer stärker der Eindruck eines zutiefst christlich-religiös konnotierten Dramas auf, welches in abgewandelter und überzeichneter Form quasi als eine Parabel auf Versuchung, Erlösung und die Wiederauferstehung gelesen werden kann. Nur so mal ein Gedanke am Rande… 😉

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  4. Xander · Dezember 21, 2008

    Auch der ständige Verweis auf Hiob deutet ja darauf hin.

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  5. the gaffer · Dezember 22, 2008

    Super Film, kam vor kurzem bei arte. Mit seinem Thema passt er perfekt zur Weihnachtszeit. 😉

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  6. Pingback: Adams Äpfel (2005) | Film-Blogosphäre

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