Kritik: BUTTERFLY EFFECT


„Ach, ziehst du wieder los und änderst das Leben anderer Leute? Vielleicht wachst du ja das nächste Mal in ner Villa auf, während ich vielleicht in Tijuana auf nem Esel reite.“
– „Nein, das hat sich für mich erledigt. Jedesmal wenn ich jemandem helfen will, wird einfach alles zu Scheisse!“

Evan leidet von Kind auf an Blackouts und kann sich danach nicht erinnern, was während dieser Zeit passiert ist oder warum er währenddessen gewisse Dinge getan hat. Als er mit seinen Freunden aus Spaß einen Briefkasten sprengt, bei dem sich ein schwerer Unfall ereignet beschließt seine Mutter, aus der Stadt zu ziehen. Als Student macht er dann eine sensationelle Entdeckung: Scheinbar kann er mithilfe seiner Tagebücher, die er von Kind an führt, zurück in die Vergangenheit reisen. Was wäre, wenn er nun alles was damals schlecht lief einfach korrigieren könnte?


Das Thema Zeitreisen ist zur Zeit hier, in den Kommentaren und in der Nachbarschaft schwer angesagt. Aus diesem Grund drängte sich dieser Film für eine Heimkino-Wiederaufführung förmlich auf. Auch hier wird die Frage gestellt: Was wäre, wenn man in die Vergangenheit reisen könnte? Und was würde passieren, würde man dort die Dinge verändern?

Evan spürt dies am eigenen Leib: Seine Zeitreisen sind immer nur von relativ kurzer Dauer und zurück in der Gegenwart sind die Auswirkungen auf sein Leben und die Leben daran Beteiligter unmittelbar spürbar. Evan merkt dies gleich nach seiner ersten Reise – alles scheint gut zu sein, aber es scheint nur so. Er weiß, was falsch lief, doch jedesmal, wenn er zurück reist um den Fehler zu korrigieren, fabriziert er neue und man könnte meinen, er macht es jedes Mal nur noch schlimmer. Er akzeptiert nicht, dass es etwas wie Schicksal geben könnte und ist es anfangs noch der pure Egoismus, der ihn dazu bringt, in die Vergangenheit zu reisen, so versucht er anschließend nur noch, Schadensbegrenzung zu betreiben.

Entstanden ist also ein sehr unterhaltsamer Film mit sympathischen Darstellern und einer wendungsreichen Story, der zwar immer spannend und unterhaltsam, aber nie langweilig ist. Da gibt es nur ein Problem: Erst recht das Thema Zeitreise regt doch zum Nachdenken an – was wäre wenn und stimmt das überhaupt und warum hat er denn und nicht das und das, und das Nachdenken sollte man bei diesem Film besser lassen.

„Butterfly Effect“ ist in sich nämlich sowas von gar nicht schlüssig und leider auch unlogisch. Die ganzen Zeitebenen und Folgereaktionen mögen nämlich nicht wirklich zueinander passen. Dinge, die passieren, nach dem Evan etwas anderes „korrigiert“ hat, dürften so gar nicht mehr passieren, zumindest nicht genauso und würden ihn bestimmt nicht in die Situationen bringen, in die er anschließend kommt. Seine Blackouts als Kind würden gar nicht mehr geschehen, sobald er den ersten Eingriff in die Vergangenheit getan hat – ein „Zeitparadoxon“ jagt das nächste. Dies fällt während des Films kaum auf und ist auch gar nicht störend, da es sehr unterhält und man immer wieder von neuem überrascht wird. Doch leider fällt es wie gesagt auf, sobald man mal näher darüber nachdenkt. Das Beste in diesem Zusammenhang ist auch dieser Satz (ja, das ist ein!! Satz) aus Wikipedia. Versucht ihn mal beim ersten Lesen sofort zu verstehen.

Beispielsweise sind Evans mentale Abwesenheiten zu nennen, die sich exakt wiederholen, obwohl Evan nach dem jeweils neu entstandenen Ablauf zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am jeweiligen Ort gewesen sein kann, und teilweise betrifft dies auch Konsequenzen in seiner Kindheit Sekunden und Minuten nach seinen mentalen Abwesenheiten, die unmittelbar von den Handlungen seines erwachsenen Ichs in seinem kindlichen Körper ausgelöst wurden und die sich mal ändern oder mal auch nicht; oder die von seinem erwachsenen Ich während seiner mentalen Abwesenheiten herbeigeführten Konsequenzen, die in Evans ursprünglichen Zeitlinie stattfanden, bevor er seine erste Reise zurück in die Vergangenheit unternimmt und diese erste Zeitlinie außer in seinem eigenen Gedächtnis vernichtet, finden nach einer weiteren Änderung wieder statt (oder umgekehrt, Geschehnisse, die in Evans ursprünglicher Zeitlinie nicht stattfanden und dann zwischendurch einmal durch eine Zeitreise erzeugt werden, verschwinden plötzlich wieder), obwohl die neue Änderung zeitlich später in Evans Lebenslauf lag und somit keine Auswirkungen auf die vorher passierte haben konnte.

Fazit: „Butterfly Effect“ ist ein sehr guter, aber leider etwas unlogischer Thriller, der Spaß macht zu gucken und der ein bisschen zum Nachdenken anregt.


Dieser Film könnte euch gefallen, wenn ihr folgendes mögt:
Donnie Darko, Zurück in die Zukunft, Identität

7 Kommentare

  1. lalia · August 28, 2008

    weitere Empfehlungen: Frequency

    aber der Film macht wirklich einfach nur Spaß, ist aber auch sehr tiefgründig ngelegt, was man so im Leben alles durch macht und wie man mit dem Alter damit anders umgeht.

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  2. Xander · August 28, 2008

    Ja, vor allem seine Freunde müssen ja unter seinen Zeitreisen ganz schön leiden…

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  3. lalia · August 29, 2008

    nur haben die nicht so ein riesiges Hirn, dass alle Erinnerungen speichert – sie wissen also nichts davon. alles nur déjà-vu’s

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  4. Xander · August 29, 2008

    Aber das macht es für ihn natürlich nicht besser – er weiß ja das er letztendlich schuld ist!

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  5. lalia · August 30, 2008

    tja, das ist das moralische Dilemma, über welches man sich andauernd streiten könnte…

    Jeder Mensch, den man kennen lernt, verändert das eigene Leben. Man geht vielleicht woanders hin, man trifft wiederum andere Leute, man ist zu einer bestimmten Zeit NICHT an dem Ort, wo man hätte sein können, ect. pp…. doch ist es müßig darüber nach zu denken. DAS nimmt einem dieser Film ab ^^

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  6. Xander · August 30, 2008

    Ach, ab und zu ein bißchen denken schadet nicht 😉

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  7. lalia · August 30, 2008

    kommt drauf an, was dabei rauskommt… ich reg mich ja grad über die Georgien-Krise auf… werd mal an einen Bundestasabgeordneten schreiben… mal sehen, ob ich eine Antwort bekomm

    http://lalia.wordpress.com/2008/08/14/krieg-im-kaukasus/

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