Kritik: MAD CITY


„Sie sind ja jetzt berühmt.“
„Naja, aber… ich bin auf ne schlimme Art berühmt.“
„Das spielt im Fernsehen keine Rolle, Hauptsache man weiß, wer Sie sind.“

Max Brackett ist Fernsehreporter. Nach einer Liveschalte mit seinem Kollegen Kevin Hollander, in dem er diesen wüst beschimpft, wird er in die Provinz Madelaine zu einem kleinen Lokalsender versetzt. Eine langweilige Reportage über Stellenabbau im örtlichen Museum entwickelt sich jedoch zu einer Mords-Story, denn der etwas einfältige Sam Bailey bedroht die Museumsdirektorin und eine Schulklasse mit einer Waffe und einem Beutel Dynamit, da ihm gekündigt wurde. Und Max Brackett, der sich zu diesem Zeitpunkt auf der Toilette des Museums aufhält, wittert die Story seines Lebens…


„Mad City“ ist kein bekannter Film. Genau genommen ist er eigentlich ziemlich unbekannt, hat meines Wissens keinerlei Preise gewonnen und hat in Amerika nicht mal die Hälfte seiner Produktionskosten wieder eingespielt. Bei keinem der beiden Hauptdarsteller wird man in Zukunft hören „bekannt aus Mad City“, denn erstens müsste der Film wie gesagt bekannt sein, und zweitens waren beide schon Stars, als der Film 1997 in die Kinos kam. Scheinbar hat ihnen der Film aber auch nicht geschadet, denn davon ist auch nirgends die Rede.

Was also ist dran an diesem Film, dass ihn zwar kaum einer kennt, ich ihn aber so gut finde? Wo wir grade dabei sind – die Schauspieler. Dustin Hoffman in einer seiner letzten ernsten Rollen, bevor es ihn scheinbar ins Komödienfach verschlug („Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“, „Lemony Snicket“, „Im Rennstall ist das Zebra los“, „Schräger als Fiktion„, „Mr. Magoriums Wunderladen“, „Kung Fu Panda“…) spielt den Reporter Brackett überzeugend und souverän, während John Travolta eine seiner besten Vorstellungen abgibt. Wie aus Sam, dem schüchternen, ungeschickten und einfältigen Arbeiter zum Schluss der verzweifelte, fast wahnsinnige „Geiselgangster“ wird, ist grandios gespielt. Alle anderen sind eh nur Statisten und die Museumsdirektorin Ms Bank spielt an der Grenze zum Overacting, doch hat sie zum Glück eh keine großen Momente.

Die Geschichte des Films ist scharfe Kritik an den Medien, an der Manipulation und Sensationsgier der Sender, letzteres betreffend aber auch an den Zuschauer. Brackett, der seine Karriere vermasselte, da er bei einer Katastrophe weniger an die Top Story, als an die Opfer dachte, sieht hier die Chance seines Lebens. Langsam aber sicher, ohne dass es ihm zunächst bewusst ist, steuert er auf eine neuerliche Katastrophe zu, die er selber in Gang gesetzt hat. Erst als alles vorbei ist, das Unglück geschehen ist, realisiert er, was er getan hat. Und wie schon einige Jahre davor, distanziert er sich von der Story und kann das alles kaum glauben. Und so will „Mad City“ nicht zeigen, dass Brackett vom bösen Reporter zum Gutmensch mutiert ist. Das wäre genauso falsch wie einfältig. Vielmehr war er noch nie der knallharte Reporter, hat deswegen sogar seine alte Position verloren. Doch um seiner Karriere Willen ignoriert er dies, bauscht die Geschichte unnötig auf und erkennt erst als es zu spät ist, was er getan hat. Brackett scheint am Ende des Films mit den Medien fertig zu sein.

Letztendlich ist „Mad City“ vielleicht mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Mit Sicherheit ist die Geschichte vorhersehbar, doch die schauspielerischen Leistungen, die Intensität dieses Films machen das locker wieder wett. Ein großartiger Film, der völlig unterschätzt wird.

„Die Lage ist soweit stabil, Sir.“
„Wir haben Fernsehgeräte in Washington, wir kennen die Lage.“

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