Kritik: WU JI – DIE REITER DER WINDE


„Du darfst nicht sterben. Ich werde dich beschützen!“

Es war einmal…
Die ums Überleben kämpfende Waise Qingcheng geht einen Handel mit der Göttin der Unendlichkeit ein: Im Gegenzug zu einem Leben in Luxus und Überfluss wird sie nie die wahre Liebe kennen lernen – und wenn doch, so wird diese ein tragisches Ende finden. 20 Jahre später: Qingcheng lebt als Geliebte des Kaisers am Hof. Doch der Fürst des Nordens, Wuhuan, probt den Aufstand, und der verletzte General Guanming schickt seinen Sklaven Kunlun in seiner Rüstung los, um dem König zu helfen. Doch Kunlun tötet den Kaiser, da dieser Qingcheng bedrohte. Diese hält Kunlun von da an für den General und verliebt sich in ihn – in den echten. Kunlun seinerseits hat sich allerdings auch in Qingcheng verliebt und auch Wuhuan versucht alles, um sie und Guanming in seine Gewalt zu bekommen…

Der teuerste chinesische Film aller Zeiten lag schon Ewigkeiten bei mir auf DVD als Zeitschriftenbeilage herum, bis ich mich jetzt dazu durchgerungen habe, ihn zu gucken. Und im Gegensatz zu gutem Wein ist dieser mit der langen Lagerung nicht besser geworden – und wenn doch, so bin ich froh, ihn nicht schon früher gesehen zu haben. Vielleicht muss man dazu sagen, dass mich das Asienkino noch nie so wirklich gereizt hat, und Filme wie „Hero“ oder „House of Flying Daggers“ habe ich gar nicht erst gesehen. Doch einen Versuch war es mir dieses mal wert. Es hätte ja sein können, dass mir da bis jetzt so einiges entgangen ist.

Doch dies war definitiv nicht der Fall. „Wu Ji“ ist optisch sehr schön anzusehen und geizt nicht mit spektakulären, farbenfrohen Bildern. Von der Seite betrachtet ist der Film aber auch nur so lange gut, bis die (leider zahlreichen) CGI-Effekte ins Spiel kommen. Selten habe ich so schlechte Computeranimationen in einem Film dieser Größenordnung gesehen. Die Rinderherde zu Beginn lässt einen Computerspiele aus den 90er Jahren wie Grafikwunder erscheinen und auch andere Szenen, die komplett am Rechner entstanden, wechseln sich deutlich sichtbar mit Realszenen ab. Das ist schade, und so manche Szenen hätten gar nicht am Rechner entstehen müssen. Ein wehender Umhang ist z.B. auch mit einer Windmaschine zu realisieren.

Doch so etwas wäre ja in einem ansonsten guten Film zu verschmerzen, wenn der Film denn ansonsten gut wäre. Die Story allerdings ist dermaßen überladen und verwirrend, dass es einem schon teilweise schwer fällt, die Handlung der einzelnen Personen nachzuvollziehen. Warum es einem Kunlun so ohne weiteres gelingt, in den Palast des Fürsten einzudringen, um die Prinzessin aus ihrem (wortwörtlichen!) goldenen Käfig zu befreien, es ihm aber nicht gelingt, genauso einfach und unbemerkt mit ihr zu fliehen, bleibt mir ein Rätsel. Doch sollte man dem Film hier zu Gute halten, dass die europäische Version im Gegensatz zum Original angeblich um ca. 25 min gekürzt wurde. Warum auch immer. Wer weiß, was in diesen 25 min alles so passiert ist…

Die Schauspieler sind zwar anwesend, verrichten aber nur Dienst nach Vorschrift. Qingcheng hat nur gut auszusehen und sonst nichts zu reißen, aber für meine Begriffe schafft sie selbst das nicht immer. Kunlun kennt als Sklave nur einen Gesichtsausdruck, wahrscheinlich wurde ihm alles andere verboten. Guanming wirkt einfach nur lächerlich, hier wurde es nicht geschafft, die Wandlung vom strengen Befehlshaber zum verliebten Weichei glaubhaft darzustellen.

Und last but not least ist das ganze so romantisch, kitschig und überzogen, dass es schon weh tut. Ganz klar ein Film für die weiblichen Zuschauer und absolut nicht mein Fall. Nichts gegen Fantasy, nichts gegen Romantik (Tipp in diesem Zusammenhang: „Big Fish„), aber vieles gegen „Wu Ji“. Aufgrund einiger guter Martials-Arts-Kämpfe und vieler schöner Bilder ist dieser Film keine totale Katastrophe, weit davon entfernt ist er allerdings auch nicht.

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