Archiv für den Tag 10. September 2011
Kritik: SCOTT PILGRIM GEGEN DEN REST DER WELT (SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD) [2010]
Wer beim 16-Bit-Universal-Logo und der C64-Musik zu Beginn des Films denkt, sein Fernseher wäre kaputt oder irgendetwas würde mit der Signalübertragung nicht stimmen – derjenige sollte den Film direkt wieder abstellen, der wird mit dem, was auf ihn zukommen würde, nicht glücklich. Ähnlich wie es auf dem Plakat im Film zum Band-Battle steht (in etwa “Zwei gehen rein, einer fliegt raus”), haben wir zu zweit begonnen den Film zu sehen und ich habe ihn alleine beendet. “Scott Pilgrim” wird nicht jedem gefallen, aber das will er auch gar nicht. Er richtet sich ganz klar an die Nerds dieser Welt, an alle, die mit Comics, Videospielen und Indie-Rock aufgewachsen sind. Denn der Film ist nicht nur eine Comicverfilmung, er ist ein Comic in Filmform, ein real gewordenes Videospiel.
Scott datet ein Highschool-Mädchen und trifft anschließend auf einer Party die Frau seiner Träume (im wahrsten Sinne des Wortes) – Ramona. Doch um ihr Herz zu gewinnen bzw. um sie für sich alleine zu haben, muss er erst gegen ihre sieben Ex-Lover antreten und sie in bester Beat’m'up-Manier besiegen. Blöd nur, dass er halt immer noch das Highschool-Mädchen (Knives) datet…
Ich finds relativ schwer, das gesehene in Worte zu fassen. Denn so richtig viel passieren will in dem Film nicht – die obigen drei Sätze sagen im Grunde schon alles. Scott trifft Ramona, dann die Kämpfe gegen ihre Ex-Lover, Ende. Dazwischen jeweils noch ein paar Dialogzeilen. Viel mehr ist der Film was fürs Auge, denn zu sehen gibt es genug. Damit mein ich jetzt ausnahmsweise mal nicht die weibliche Besetzung, sondern vielmehr allgemein die visuelle Umsetzung. Ähnlich wie damals die Batman-Serie wird hier jedes Geräusch visualisiert, so dass da schon mal “Ding-Dong!” steht, wenn die Tür klingelt. Doch wirkt es hier keinesfalls albern oder fehl am Platz. Ach, guckt einfach den Trailer, dann seht Ihr was ich meine.
Der Cast hat mir leider nicht ausnahmslos gefallen. Zugegeben, ich kenne die Comic-Vorlage (noch) nicht, aber Michael Cera wirkte für mich irgendwie fehl am Platze. Er spielt zwar im Grunde immer nur sich selbst, aber zum Beispiel bei “Juno” passte das sehr viel besser, dort war er schon die Idealbesetzung. Dieser Scott ist irgendwie ein Lahmarsch mit Selbstzweifeln bei dem man sich fragt, was Ramona denn an ihm findet – seine Pac-Man Geschichte wird es wohl nicht gewesen sein. Seltsamerweise stimmt die Chemie zwischen ihm und Knives sehr viel besser, dies sind auch die wenigen Momente, bei denen man das Gefühl hat das Cera auch ein wenig aus sich herausgeht und Freude an dem hat, was er da tut. Was man bei Ramona nicht sagen kann, da sie eigentlich immer einen sehr gelangweilten Eindruck macht. Sollte der Scott in der Comic-Vorlage natürlich genau so sein wie im Film dargestellt, nehm ich das selbstverständlich zurück – dann hat es mir einfach so nicht gefallen.
Aber trotz allem ist der Film episch. Ein Positiv-Beispiel für Style over Substance, mit seinen sieben “Exes” zwar etwas lang geraten, aber im Endeffekt witzig, durchgeknallt und experimentell genug, um durchaus zu gefallen. Nicht jedem, wohlgemerkt. Macht aber auch nichts. Kein Meisterwerk für die Ewigkeit, dafür hat “Scott Pilgrim” dann doch zu wenig zu erzählen, aber für den Moment ausgezeichnetes Entertainment. Und während ich das hier geschrieben habe, hab ich mir bestimmt fünf mal obigen Trailer angesehen. Das heißt schon was.
