Kurzkritik: DER MANN, DER NIEMALS LEBTE [2008]


“Inzwischen hat unser Feind sehr wohl realisiert, dass er einen Kampf gegen Jungs aus der Zukunft führt und das ist ebenso brilliant, wie es bedrohlich ist. Wer so lebt wie in der Vergangenheit und sich so verhält wie in der Vergangenheit, der ist für die Jungs aus der Zukunft sehr schwer zu entdecken. Wenn man sein Handy wegwirft, keine E-Mails schreibt, alle Anweisungen von Angesicht zu Angesicht und von Hand zu Hand übermittelt, verschließt man sich vor jeglicher Technologie und verschwindet in der Menge.”

Nach dem 11. September war nichts mehr, wie es war. Menschen, die vom Terrorismus zuvor nur am Rande Notiz nahmen, realisierten plötzlich, dass er eine reale Gefahr war – und das nicht nur in Amerika. Auch Hollywood blieb von dem Wandel nicht verschont. Wurden direkt nach den Anschlägen noch schnell sich in der Produktion befindende Filme bearbeitet (beispielsweise durch Retuschierung der Zwillingstürme) oder Drehbücher umgeschrieben (Spider-Man sollte ja auch sein Netz zwischen den Türmen spannen), so erschienen mit der Zeit auch Filme, die sich direkt mit der Thematik beschäftigten. Ridley Scotts Der Mann der niemals lebte ist einer davon und zeigt den Anti-Terror-Kampf aus nächster Nähe.


“Es ist sechs Uhr morgens!”
- “Ich rette die Zivilisation, Schatz.”

Roger Ferris ist gehört einer Anti-Terror-Einheit im Nahen Osten an. Er untersteht Ed Hoffman, der vom CIA aus Langley seine Einsätze koordiniert. Als eine Kontaktaufnahme mit Einheimischen misslingt, kann Ferris noch einige Dokumente und Datenträger retten, die dem CIA auf der Suche nach dem Terroristenführer Al-Saleem weiterhelfen. Um diesem Ziel noch näher zu kommen, verbündet sich Ferris mit dem Chef des jordanischen Geheimdienstes, Hani Salaam. Als er jedoch herausfindet, dass Hoffman mit eigenen Zielen arbeitet und zusätzlich seine Freundin entführt wird, verkompliziert sich die Situation…

Der Mann, der niemals lebte zeigt dabei besonders im ersten Drittel, wie schonungslos die Geheimdienste zugehen wenn es um die Wahrung ihrer Interessen zugeht. Als ein Informant von den Terroristen entführt wird, zögert Ferris keine Sekunde und erschießt ihn. Dies zeigt ihn von seiner kaltblütigen Seite, von der im weiteren Verlauf des Films leider nicht mehr all zu viel zu sehen ist. Denn der Film, so spannend und atmosphärisch das ganze auch inszeniert ist, hat ein Problem mit seiner Hauptfigur. Leonardo DiCaprio gibt sich zwar alle Mühe, wirkt aber trotz allem zu jung für die Rolle des knallharten Undercover-CIA-Agenten, der alleine im nahen Osten gegen die Terroristen vorgeht. Gerade, wenn man dies jedoch akzeptiert hat, beginnt sein Charakter an seiner Arbeitsweise zu zweifeln, als wäre er grad eine Woche dabei. Wo vorher noch kaltblütig Informanten erschossen werden, wird plötzlich gezögert. Zu allem Überfluss will einem der Film dann auch noch erzählen dass sich dieser CIA-Agent inmitten des Konfliktes in eine Araberin verliebt, die er nur einmal im Krankenhaus gesehen hat, als sie ihm eine Spritze gegeben hat. Der Grund für diese plötzlich Romanze wird schnell klar: Um die Geschichte zu einem Abschluss zu bringen, muss diese sich natürlich entführen lassen um zum Showdown überzuleiten. Wenn etwas aufgesetzt wirkt, dann ja wohl das. Überhaupt hätte der Film gut daran getan, sich auf einen Hauptplot festzulegen. Diese gefühlte Dreigeteiltheit von Einführung, die Observation des “sicheren Hauses” bis hin zur Love Story und der dramatischen Entführung lässt ihn ein wenig wie Flickwerk aussehen.

Davon einmal abgesehen, ist Der Mann, der niemals lebte ein grundsolider Thriller mit atemberaubenden Aufnahmen und einem passenden, wenn auch etwas zurückhaltenden Score. Leider hat er hier und da seine Längen und eine teilweise etwas unglaubwürdige Story, womit man aber gut leben kann.

Über Xander

Autor von at the movies, at the photos sowie vom kopfkino2. Scheint aber ansonsten ein ganz netter Kerl zu sein.

Posted on 9. September 2009, in Blu Ray, Filmkritik, Jungsfilme and tagged , , , , , , , , , . Bookmark the permalink. 1 Kommentar.

  1. jop, kann ich so unterschreiben, das grundgerüst ist eins a und dürfte jeden überzeugen, die story um Ferris ist etwas deplatziert.
    aber gute Schauspielkunst, tolle schauplätze, dämlicher deutscher Titel, “body of lies” ist besser

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