Kritik: DAS PARFUM – DIE GESCHICHTE EINES MÖRDERS
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“Er begriff, dass er sein Leben lang für für alle ein Niemand gewesen war. Was er jetzt empfand, war die Angst, tatsächlich nicht vorhanden zu sein, als existiere er nicht.”
Jean-Baptiste Grenouille wird im Frankreich des 18. Jahrhunderts auf dem Pariser Fischmarkt von einer Fischverkäuferin geboren und verstoßen. Von Geburt an verfügt er über einen ausgezeichneten Geruchssinn, der ihn von allen andern Menschen abhebt. Das Baby wird gefunden und wächst in einem Heim auf, um dann an eine Gerberei verkauft zu werden. Als Grenouille eine Lieferung an den Parfum-Hersteller Baldini ausliefert, will er er seiner Bestimmung folgen – Den Duft eines Menschen konservieren. In der Folge mutiert er mehr und mehr zum gewissenlosen Massenmörder, um seinem Ziel näher zu kommen…
Literaturverfilmungen sollten immer auch für Nicht-Kenner des Romans funktionieren. Besser wäre das, denn “Das Parfum” habe ich nicht gelesen, den Film aber gesehen. Dadurch sehe ihn zwangsläufig durch einen anderen Blickwinkel, Leser der Vorlage finden Filme zu Büchern ja grundsätzlich schlechter als andere. Außer vielleicht bei “Herr der Ringe”.
Und so ist “Das Parfum” die Geschichte eines Mannes (ja genau, der Mörder), der anders ist als andere Menschen, denn er hat einen ausgeprägten Geruchssinn – schon bei seiner Geburt nimmt er die Eindrücke des Fischmarktes auf und hat als Heranwachsender sogar Schwierigkeiten, seinen ganzen empfundenen Gerüchen Namen zu geben. Und wie stellt man sowas im Film dar? Wie im Hörbuch: Durch einen Erzähler. Und das ist auch gut so, ansonsten wäre noch öfter die schnüffelnde Nase Grenouilles im Bild gewesen, als sie sowieso schon ist. Grundsätzlich jedoch ist dieses Hauptproblem ganz gut gelöst, wenn auch die ausschweifenden Beschreibungen aus dem Buch nicht erreicht werden können (zumindest ein Teil des Hörbuchs hab ich gehört, daher weiß ich das *g*). Und auch das ist gut so.
Schauspielerisch ist der Film auch sehr gut, Grenouille wird sehr glaubhaft dargestellt – keine Gemütsregung zeichnet sich in seinem Gesicht ab, wenn er die Frauen umbringt, ihn kümmern nur die Düfte, nicht die Menschen. Und so wird seine Motivation durch seine Handlungen nur noch deutlicher. 12 Noten hat ein Parfum, 13 das perfekte. Wieviele Frauen brauchts da wohl für ein perfektes Parfum mit menschlichem Duft…?
Doch der Film hat leider auch seine Schwächen, und die liegen darin begründet, dass er etwas langatmig ist. Minutenlang rennt Grenouille schnüffelnd durch die Straßen, zu oft wird zu Beginn die immer gleiche Konservierung seiner Opfer wiederholt. Zwischen Beginn und Finale des Films gibt es auch mal eine Zeit des Nichts. Und das Ende finde ich persönlich etwas albern dargestellt, keine Ahnung ob das im Buch auch ist, aber es wirkt im Film etwas unfreiwillig komisch. Auch dass das kollektive Gruppenkuscheln im Roman womöglich eine Massenorgie ist, ist zu vermuten, aber verschmerzbar, schließlich ist “Das Parfum” ja kein Porno mit einer Freigabe ab 18.
Alles in allem also recht ansehlich, man sollte sich den Film allerdings nicht ansehen, wenn man schon etwas müde ist. Etwa zur Mitte des Films könnte einem das zum Verhängnis werden.
20. Juli 2008 um 4:24
der Film schneidet punktemäßig besser ab, als du schreibst – IMO
Meine Mutter und ich haben den Film 11 Uhr morgens im Kino gesehen und auch da hätte man gut und gerne einschlafen können. Das wird sicherlich der Handlung nicht gerecht und auch der Film ist toll inszeniert, aber viel war auch Hype und Werbung davor, wie es ja immer häufiger der Fall ist. Fazit: handwerklich gute Verfilmung, aber kein fesselnder Film.
20. Juli 2008 um 4:28
Hast schon recht. In diesem Fall ist meine Punktevergabe aber in Ordnung, war nur etwas zu negativ formuliert…
22. August 2008 um 12:16
so muss kino sein. wirklich gelungener film. tolle schauspieler, tolle bildästethik und ein klasse handlungsverlauf bis zum ende. ich fand gerade die orgie und den tod beeindruckend. auch wenn viele behaupten, dass keine hardcoreszenen dabei waren wie es eigentlich im buch beschrieben wird: das macht den film beleibe nicht schlechter.
hier noch eine kritik zu dem film:
http://www.resurrection-dead.de/dailydead/das_parfum
22. August 2008 um 6:12
Man man, die Seite muss ja gut sein, so wie du die bewirbst…